AMORPHIS – „Queen Of Time“

Als Konzertfotograf hasse ich sein Mikrofon; Tomi Joutsen hat dieses monströse Ding fast immer vor der Nase. Entweder erwischt du einen seltenen Moment – oder du baust das Ding als Stilelement ein.

Text; Danny Frischknecht | Melodic Death Metal aus Finnland, zuhause bei Nuclear Blast


Die Band

Zu AMORPHIS muss man an dieser Stelle nicht mehr verlieren, als dass die Band das finnische Nationalheiligtum ist – zumindest, was fette Musik angeht.
Kaum eine Band hat den melodischen Todesstahl in den letzten 24 Jahren so stark geprägt, wie die Truppe um Tomi Joutsen, den ebenso charismatischen wie zurückhaltenden Fronter der Band.
Ohne Zweifel – AMORPHIS sind eine Institution.


Das Album

Es ist nicht mehr und nicht weniger als die Nummer 13 in der Diskographie der Finnen, das Album „Queen Of Time“, das heute in einer Woche erscheint. Zehn Tracks liefern AMORPHIS ab, eine knappe Stunde geilsten Metals. Ihre letzte Scheibe „Under The Red Cloud“ hat mich begeistert, „Queen Of Time“ bläst mich weg.

Das Werk ist kompakt, kraftvoll, eine Einheit aus Stahl gegossen, rund, stimmig – einfach eine der besten Scheiben, die ich dieses Jahr in meinen Gehörgängen hatte. Tomi Joutsen gibt sein Bestes, seine Bandkollegen arrangieren sich mit dem Orchester, das auf dem Album eingesetzt wird, Gastmusiker wie der Kehlkopfsänger Albert Kuvezin, der Saxofonist Jørgen Munkeby oder der ELUVEITIE-Fronter Chrigel Glanzmann, der das Album mit seinen Pipes bereichert, sie alle tragen ein weiteres Mosaiksteinchen zusammen zu einem Epos, das eine weitere Entwicklung von AMORPHIS hin zu einer der absolut besten Bands ihres Genres.


Reinhören

„Message In The Amber“, ein beinahe sieben Minuten langes Machwerk, ist mein Liebling. Der Track ist episch, hat enorm viel Power, wechselt Tempi und Stimmungen. Im einen Moment langsam und zurückgenommen, im nächsten Augenblick pulsierend wie ein Lavastoss, der die Erde aufbricht und ein wahres Feuer entfacht.

„The Bee“ ist eines der Stücke, das verdeutlicht, weshalb AMORPHIS auch als Prog-Band bezeichnet wird. Der Track phrasiert, spielt mit den verschiedenen Songelementen, baut sie Schritt für Schritt auf, um sie dann krachend wieder niederzureissen.

Ebenfalls ein Hammersong ist „Wrong Direction“. Das Stück beginnt sehr folkig, erinnert in Teilen an Pagantracks – beispielsweise von ELUVEITIE. Diese Attitüde wird aber immer wieder unterbrochen durch den klaren Gesang Joutsens, teilweise beinahe sprechend, vibrierend, dann wieder schreiend, sich kraftvoll entfaltend. Wenn der Song nicht in die richtige Richtung geht, weiss ich nicht mehr…


Fazit

Aus meiner Sicht werden AMORPHIS in vielen Bereichen deutlich unter Wert gehandelt. Dem Produzenten Jens Bogren, der wohl schon mit allen Bands, welche im Metal irgendwie Gewicht haben, zusammenarbeitete, ist es gelungen, Joutsens Musikalität und Pekka Kainulainens Texte zu einem Diamanten zu schleifen, der noch jahrelang strahlen wird.

Freund genialer, metallischer Musik – wenn du dir dieses Album entgehen lässt, ist dir nicht mehr zu helfen!


 Tracklist

1. The Bee 5:30

2. Message In The Amber 6:44

3. Daughter Of Hate 6:20

4. The Golden Elk 6:22

5. Wrong Direction 5:09

6. Heart Of The Giant 6:32

7. We Accursed 4:59

8. Grain Of Sand 4:44

9. Amongst Stars 4:50

10. Pyres On The Coast 6:19


Lineup

Tomi Joutsen | Gesang

Esa Holopainen | Gitarre

Tomi Koivusaari | Gitarre

Olli-Pekka Laine| Bass

Santeri Kallio | Keyboards

Jan Rechberger | Schlagzeug


Online

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