CORE – „Stage“ | „Platform“

Was kann eine Truppe leisten, welche aus zwei Personen besteht und damit Vocals, Backing Vocals, Guitars, Drums, Bass und Keyboards abdecken muss?
Und was hat das Alles mit Curry zu tun?

© danny@metalnews.ch

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CORE sind ein Duo aus Brittnau in der Schweiz. Sie arbeiten seit 2013 zusammen, sind seit 2014 auch ein Paar – so klassisch mit verheiratet und so.

Im März 2014 erschien ihr erstes Album „Level 1“, im Juni 2014 das Zweite „One Step Further“, im Dezember 2014 die dritte Scheibe „Platform“ und Ende April 2015 das letzte Machwerk „Stage“. Jepp – richtig gelesen und gezählt – vier Alben in gut einem Jahr. Da gibt es schon einmal Bands, deren Bilanz umgekehrt ist. In dieser Zeit über fünfzig Songs zu schreiben, einzuspielen, aufzunehmen und zu mastern, das verdient Respekt.

core cover

Nun gibt es aber schon auch Gründe, warum eine Band für ein Album schnell einmal ein Jahr oder mehr Zeit brauchen. CORE machen die gesamte Arbeit selber, vermarkten und publizieren ihre Musik vorwiegend online.

Die Kapelle ist nicht nur überaus produktiv, sie promotet auch ausgesprochen fleissig über Internet-Radios und hat es dort bei diversen Stationen in die Rotation geschafft. Weiter wurde der Track „Hunger“ auf die Compilation „Metal Assault Volume 2“ gepresst.

Soweit so beeindruckend! Das muss man erst einmal leisten.

metal assalut

Jetzt gibt es da aber die zweite Hürde, die man bei uns nehmen muss, um zu einer hohen Anzahl „Metalheads“ zu kommen – die musikalische Genialität.

Und da gibt es schon so zwei drei Dinge, die ich sagen muss.

core curry

Zuerst einmal; Curry bezeichnet sich als beeinflusst durch EVANESCENSE, WITHIN TEMPTATION oder NIGHTWISH – grosse Worte gelassen ausgesprochen. Wenn man sich als Weiblein mit denen anlegt, kann das schwierig werden. Seien wir aber fair – sie hat ja nicht behauptet, dass sie auf demselben Level agiert. Das tun ja auch nicht sooo viele Sängerinnen. Die Stimme der Dreiunddreissigjährigen Multiinstrumentalisten hat Potenzial. Aus meiner Sicht macht die gute Frau zwei grundlegende Fehler; erstens singt sie in der falschen Stimmlage und zweitens hält sie die Töne an den falschen Orten.

Stimmlage; die Stimme trägt in mittleren und hohen Lagen besser als in den tiefen. Vielleicht wäre es also besser, das gesamte Stimmteil so um zwei bis drei Töne anzuheben.

Töne halten; da gibt es zwei Aspekte. Einerseits wirkt der Gesang etwas zäh, hat relativ wenig Drive, andererseits führt das zu solchen Textdehnern über mehrere Silben hinweg. Oder es ist umgekehrt, die Texte, welche nicht in die Takte passen, werden gedehnt und die Stimme muss es tragen. Wie auch immer, hier gäbe es Verbesserungspotenzial.
Ich glaube nämlich, dass Sharon Den Adel, Floor Jansen und Amy Lee durchaus lange und intensiv an solchen Dingen arbeiten. Die veröffentlichen allerdings auch nicht in derselben Kadenz wie CORE.

core reti

Dann gibt es da aber auch noch den Reti, der stärker instrumentalisiert, komponiert und arrangiert. Was gar nicht geht, bei aller Liebe zu den geheiligten Tasten, sind diese Bontempi-liken Keyboards. Das ist nicht despektierlich gemeint. Ich würde mir einfach etwas weniger verspielte und künstlich klingende Keyboard-Sounds wünschen. Die benutzte Hardware gibt da durchaus Möglichkeiten her.

Was ich absolut vermisse, sind die fetten Gitarren, die Soli und Riffs. Lieber Reto, wenn du schon mit einer SG posierst!

Beim Song „Thou Shant Dupe“ gibt es solide Ansätze in diese Richtung – warum nicht mehr? Der Bass ist dafür überwiegend fett und groovy, sorgt für metallenen und rockigen Boden.

Rhythmisch gute Riffs treiben den Sound einfach stärker vorwärts und hämmern dir direkt in die Magengrube. Und das will ich!

Naja, die beiden machen ja nicht wegen mir Musik, sie werden von Dutzenden Radiostationen gespielt und haben deutlich über tausend likes auf Facebook – das muss man erst einmal schaffen. Für eine Band, welche mangels Personal eigentlich nicht touren kann, ist das eine stattliche Fanbase.

core reti curry

Anspieltipps

So richtig hervorgehoben hat sich für mich beim Hören der beiden Alben „Platform“ und „Stage“ kein Track. Ich bin leider beim leicht schleppenden Sound hängengeblieben und hatte damit auch den Eindruck, dass doch viele Songs sehr ähnlich sind. Das ist aber der Style der Band und hinter dem müssen sie stehen können, der muss authentisch sein.

Und wie schreiben die Beiden in ihren Unterlagen; „Sie arbeiten mit sehr wenig Korrekturen und wenigen Wiederaufnahmen, so dass ihr Songmaterial einen sehr lebhaften und „live“-tönenden Charakter behält. Authentisch, direkt, roh und pur – ein echter Kontrast zum heutigen Über-Korrigierten und Über-Produzierten.“

Vielleicht wäre hier ein Mittelweg gewinnbringend? Ich bin überzeugt, dass sich der Sound in andere Sphären heben lässt, wenn man am einen oder anderen Ort etwas schraubt, da und dort etwas Pfeffer auf die Kabel streut, etwas Feuer in die Amps schreddert.

Fazit

CORE haben wirklich Potenzial. Da ist viel Material vorhanden, aus dem man richtig gute Tracks basteln kann. Wenn ich müsste, würde ich wohl folgende drei Dinge tun;

  • Mir Musiker zum Duo suchen – wenn auch nur Sessionistas – damit eine Betrachtung von aussen dazu kommt, weitere Blickwinkel entstehen. Und möglichst häufig Menschen einladen, den Sound direkt zu hören, sofort Feedback zu geben.
  • Mir etwas mehr Zeit lassen, die Tracks vielleicht auch härter selektionieren.
  • Den eigenen Style schärfen, etwas weniger progressiv und breit drangehen, klarer fokussieren. Breite ist herausfordernd aber fast nicht zu leisten. Auch die ganz grossen Progmeister haben ihren eigenen Stil entwickelt und sich meist zwischen den Alben entwickelt und ihre Scheiben als eine Art Plattform oder Zwischenstufe ausgebreitet und gestaltet.

Wie gesagt, die zwei haben viel Potenzial, viel Spielraum nach oben. Mit wenig Aufwand kann da was ganz Tolles entstehen. Es muss ja nicht gleich WITHIN TEMPTATION II oder LED ZEPPELIN reunited werden, oder?

Wow, ist eine Weile her, seit ich mich soo ausführlich mit einer Review beschäftigt habe. Es macht halt schon viel Spass, sich in Projekte einzuhören, die noch nicht etabliert sind – und eben auch noch nicht „über-korrigert“ und „über-produziert“.

Die Beurteilung muss dennoch etwas hart ausfallen, ich bin nämlich überzeugt, dass die Beiden keine Gefälligkeits-Review wollen. Und die kriegt bei uns sowieso niemand. Wohlwollend ja, gefällig nein!

CORE – macht weiter, schraubt und werkelt – und lasst euch etwas mehr Zeit!

Members

Curry | Vocals, Drums, Keyboards, Backing Vocals
Reti | Vocals, Guitars, Bass, Keyboards, Backing Vocals

Online

http://www.coretheband.ch/
https://www.facebook.com/coretheband.ch

Tracklist

  • Attack! / Dreaming Of You
  • Somebody Save My
  • Faith In The Lord
  • Desire To Return
  • You’ve Lost Me
  • The Longing
  • Love Will Find A Way
  • Dangerzone
  • Miss You So
  • Thou Shant Dupe
  • Calling Heaven
  • I Don’t Care No More
  • Part Of My Heart

Genre                                                       Prog
Land                                                         Switzerland
Label                                                        selfrelease

 

 

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