Double Bass Drums in Bella Italia

Ein Hammer Line-Up, ein Auto zur Verfügung und ein freies Wochenende lockten mich in die italienische Stadt Bergamo.

Text und Bilder: Claudia Chiodi

Ganz so einfach war das natürlich nicht, auch bei mir laufen im Hintergrund einige Vorbereitungen ab, so wie Akkreditierung anfragen, Hotel suchen und so weiter. Aber das klingt einfach nicht so spontan, und die Entscheidung fahren zu wollen, war eigentlich wirklich sehr spontan. Und bei privaten Konzertbesuchen läuft das teilweise auch durchaus so ab, ja auch wenn mal 350km dafür gefahren werden müssen.

Diesmal war es also Bergamo, genauer das Druso, ein Club in einer Industriezone. Einfach zu finden, genügend Parkplätze und keine Nachbarn, die sich über Lärm in der Nacht aufregen, auch nicht am Sonntag. Das grosse Tor konnte demnach auch die ganze Zeit offenstehen und sorgte für ein bisschen frische Luft zusätzlich. Ein kleiner Vorplatz mit einigen Sitzgelegenheiten lud zum gemütlichen Verweilen ein. Für den Schweizer Geldbeutel sind hier sowohl der Eintrittspreis, als auch die Getränkepreise sehr gut verträglich und das Essen lecker.  Mit meinen Englisch Kenntnissen kam ich auch sehr gut zurecht, mein Italienisch ist nicht wirklich vorhanden, aber es ist doch immer wieder spannend, wenn man ein sprachlicher Exot in der Menge ist.


FROZEN CROWN


Eröffnet wurde der Abend von der noch jungen Power Metal Band aus Mailand. Gerade erst ihr Debut Album mit Scarlet Records heraus gegeben und jetzt heizte man für eine der ganz grossen Bands des Genres ein. In meinem Facebook Feed tauchte die Band immer mal wieder auf und das Video zu Kings machte mich sehr neugierig.

FROZEN CROWN legte auch gleich ordentlich los und zeigte eine sehr ansprechende Show. Leider war die Soundabmischung sehr unvorteilhaft in meinen Augen, kamen die kräftige Stimme von Giada und die Growls von Federico durchaus schön zur Geltung, gingen die Gitarren teilweise fast komplett unter. Eine Trommel war für mein Empfinden zu laut und hat den ganzen Auftritt dominiert. Echt schade, denn was ich ansonsten raushören konnte, war eigentlich sehr interessant. Power Metal mit Death Metal Einflüssen, spannende Idee und ich halte mal die Augen offen nach weiteren Möglichkeiten diese Band zu sehen. Und das nicht nur weil es Spass macht, die ausdrucksstarke Gitarristin Talia vor der Linse zu haben.

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TEMPERANCE


Die einzige Band des Abends, die sich nicht Power Metal auf ihre Fahne geschrieben hat und die ich bereits schon bei zwei Konzerten in Schweden live erleben durfte. Ende April waren das relativ kleine und sehr enge Bühnen, nun konnten sich die Italiener richtig austoben und hinterliessen einen noch besseren Eindruck.  Auch wenn sie sich dem Modern Melodic Metal verschrieben haben, kommen sie deswegen nicht weniger druckvoll daher.

Seit diesem Jahr neu am Mikrophon dabei sind Alessia und Michele, die auf der Bühne toll harmonierten, jeder kriegte seine Momente im Rampenlicht. Und wer die Band kennt, war nicht überrascht, dass da auch der Mann an der Gitarre Marco mit seiner charakteristischen Stimme mitmischte. Drei starke Clean Vocals, sehr unterschiedlich und dennoch harmonisch, immer wieder fantastisch.

Wer sich davon live überzeugen lassen will, im Oktober begleiten die Italiener SERENITY auf der Symphonic Metal Nights Tour und machen auch in der Schweiz halt.

https://www.facebook.com/temperanceofficial/


TRICK OR TREAT


Auf diese Band war ich ganz besonders gespannt, die beiden Alben Rabbits‘ Hill Pt 1 und 2 sind regelmässig auf meiner Playlist zu finden, und die Stimme von Alessandro Conti hat mich schon länger fasziniert. Zum neuen Album Re-animated hatte ich nicht ganz so einen Draht, das Album enthält diverse Titelmelodien von Cartoons und Trickfilmen in Power Metal Manier. Die Idee finde ich eigentlich richtig gut, nur habe ich in meiner Kindheit offensichtlich die falschen Serien geschaut, zumindest für dieses Album.

Die Setlist bestand ungefähr zur Hälfte aus Tracks von eben diesem Album und live war dies  dann eine ganz andere Sache. Wenn so ein Haus voller Metalheads lautstark „Devilman“ oder „Dragonball“ mitsingt, spielt es keine Rolle mehr welche Kindheitserinnerungen man selber hat, es machte einfach nur einen Riesenspass, und das offensichtlich nicht nur vor der Bühne. Die ganze Band scheint einen leichten Knall der sympathischen Sorte zu haben, und auch gerne mal ein wenig rumzualbern, also genau meine Kragenweite. Dass auch persönlich Favoriten meinerseits auf der Setlist waren, wie „The Great Escape“ und „United“ war dann aber doch auch schön.

Das Sahnehäubchen auf dieser Torte war aber die Soundabmischung, die war hier nämlich so ganz nach meinem Geschmack. Als bekennender Bassgitarren Fan freute es mich ganz besonders, das die tiefen Saiten mit halbwegs geübtem Ohr und Gehörschutz dennoch ganz nuanciert aber nicht dominierend hörbar waren. Top!

https://www.facebook.com/trickortreatband/


RHAPSODY OF FIRE


Der Headliner des Abends ist einer der ganz Grossen in Sachen Power Metal, RHAPSODY OF FIRE! Diese Band war Mitte der Neunziger des letzten Jahrtausends mein eigentlicher und erster Einstieg in die Metalwelt und auch heute ist mir Power Metal am nächsten von allen Genres. Ich durfte bereits auf der RHAPSODY Reunion Tour fotografieren und nun auch noch RHAPSODY OF FIRE live erleben. Manchmal ist die Welt doch einfach nur schön!

Wenn natürlich bis auf Alex Staropoli an den Keys natürlich nicht mehr die Helden meiner Jugend auf der Bühne standen, konnte man sich durchaus auf die geliebten Klassiker freuen. Mit Giacomo Voli am Mikro wurde 2016 ein würdiger Nachfolger gefunden und das Re-Recording von Legendary Years ist ebenfalls in meiner Rotation zu finden.

War der Raum schon bei den vorangegangenen Sets gut gefüllt, wurde es jetzt noch ein wenig enger und euphorischer. Mit viel Epik und Bombast, wie erhofft und wie es sein soll führte der Headliner des Abends durch das Programm. Mit „Land of Immortals“ und „Emerald Sword“ waren auch hier wieder Favoriten von mir auf der Setlist, aber nicht nur von mir, ein sehr textsicheres Publikum feierte diese Songs ebenfalls.

Während ein Teil der Band eine kleine Verschnaufpause bekam, glänzte Manu Lotter mit einer Soloeinlage an den Drums, übrigens der vermutlich einzig ebenfalls nicht Italienischsprachige im Raum. Grossartig, und das nicht nur weil ich endlich relativ freie Sicht mit der Kamera auf das Schlagzeug hatte.

Womit ich nun eher wenig gerechnet hatte, war ein kleiner Moshpit in der Mitte vor der Bühne, aber warum nicht, kenne ich das eher von härteren Metalgenres, kann das auch durchaus hier Spass machen.

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Fazit

Es war ein absolut toller Abend mit einem sehr stimmigen Line-Up, vielen Dank an Eagle Booking und Marco von Temperance, dass ihr es mir ermöglicht habt, dabei zu sein. Und wenn es sich einrichten lässt, komme ich auch gerne wieder, Drohung oder Versprechen dürft ihr euch aussuchen.

Die Security war anwesend, wurde aber, soweit ich gesehen habe, nur zur Einlasskontrolle wirklich gebraucht, alle waren bester Stimmung und am Feiern. Nach den Konzerten gab es ausführlich Zeit um an Autogramme der Musiker zu kommen und das eine oder andere Gespräch zu suchen. Eine ganz entspannte Sache, von allen Seiten, so könnte ein Konzertabend gerne immer sein.