EVANESCENCE – „Synthesis“ ab heute erhältlich

Ich weiss nicht so recht, was ich mit einem Album anfangen soll, das mit zwei Ausnahmen aus Neuinterpretationen besteht. Ich denke aber mal, Amy Lee von EVANESCENCE sich dabei etwas überlegt hat.

danny@metalnews | symphonisch-elektronischer Alternative Rock aus den USA zuhause bei Sony Music


Ja, auch Musikkritiker – bin ich das eigentlich? – müssen bereit sein, sich mit Entscheiden von Künstlerinnen und Künstlern zu arrangieren. Und wenn EVANESCENCE sich entschieden haben, einige ihrer Songs ohne Stromgitarren und „richtige“ Drums umzusetzen, so ist dieses Produkt für sich zu beurteilen – und nicht mit den „alten“ Sachen zu vergleichen. Das meine ich zumindest.


DAS ALBUM

Amy Lee und ihre Kollegen haben jedenfalls entschieden, ein ruhiges Album zu machen. Unterstützt werden die Neuinterpretationen von einem Symphonieorchester und elektronischem Programming. Eines ist definitiv – das Album wird dadurch weniger rockig, bohrt sich weniger straight in die Ohrmuscheln. Schlecht?

Wenn Amy Lee singt, dann kommt da gar nichts schlechtes raus, kam noch nie und wird auf absehbare Zeit auch nicht so werden. Ihre Stimme ist eine der wenigen im Rockbusiness, die auch dann „verhebt“, wenn sie sich dem klassischen Gesang annähert. Was bleibt – eine natürliche und wie immer wahnsinnig beeindruckende Stimme.


REINHÖREN

Das Album gibt keine einzelnen Tracks her, die man sich unbedingt anhören muss. Das tut man am Besten mit der gesamten Scheibe. 

Sicher, die beiden neuen Tracks „Hi Lo“ und „Imperfection“ sind besonders interessant – weil neu.

Mich hat aber das Album in seiner Gesamtheit angesprochen, als ein musikalischer Guss, eine umfassende Synthese verschiedener musikalischer Elemente angewendet auf grossartiges, bestehendes Material wie den Klassiker „Bring Me To Life“ oder den Übertrack „My Immortal“. Letzterer ist für mich grossartiger, stimmiger als das rockende Original. In diesem Fall empfinde ich die Synthese als eine Metamorphose – aus einer beeindruckenden Raupe ist ein wunderschöner Schmetterling geworden.


FAZIT

EVANESCENCE sind musikalisch erwachsen geworden. Eine musikalisch eh schon geniale Band hat sich auf neues Terrain gewagt und zeigt damit ihre Klasse. Ich denke, diese Entwicklung werden wir erst im nächsten Rockalbum vollständig erkennen. Dann, wenn die Band sich mit den Erfahrungen von Synthesis wieder in gewohnte Gefilde begeben und die Synthese quasi umdrehen.

Warum feiere ich das Album so ab und gebe dann doch „nur“ neun von zehn Metalheads? Weil mir die rockige Note halt doch etwas fehlt, weil ich mir – vielleicht nur bei den neuen Songs? – etwas mehr Power gewünscht habe. „Bring Me To Life“ ist im Original halt schon auch eine verdammt coole Nummer!

Aber eben, da ist sie wieder, diese Schwierigkeit sich mit Kehren und Wendungen zu arrangieren und alte Bequemlichkeiten aussen vor zu lassen.

Nichts desto trotz – ein grossartiges Album!


KAUFEN

„Synthesis“ ist ab heute in den gängigen MusicStores erhältlich!


ON TOUR

20.03.18 Dübendorf, Samsung Hall

22.03.18 Stuttgart, Porsche Arena

23.03.18 Leipzig, Arena

26.03.18 Düsseldorf, Mitshubishi Elektric Halle


TRACKLIST

01. Overture
02. Never Go Back
03. Hi-Lo
04. My Heart Is Broken
05. Lacrymosa
06. The End of the Dream
07. Bring Me to Life (Synthesis)
08. Unraveling (Interlude)
09. Imaginary
10. Secret Door
11. Lithium
12. Lost in Paradise
13. Your Star
14. My Immortal
15. The In-Between (Piano Solo)
16. Imperfection


LINEUP

Gesang, Klavier, Keyboard, Harfe
Amy Lee
Bass
Tim McCord (seit 2006)
Schlagzeug
Will Hunt (seit 2007)
Troy McLawhorn (seit 2007)
Gitarre, Backgroundvocals
Jen Majura (seit 2015)

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