GREENFIELD-Nachlese; UNZUCHT – Interview mit Daniel Schulz und Toby Fuhrmann

Ihr Debüt haben die Unzüchtigen bravourös gemeistert: Zu den Songs der Dark-Rock-Band herrschte Partystimmung auf der Mönch Stage.

leo@metalnews | Kurz danach baten wir Sänger Daniel Schulz und Schlagzeuger Toby Fuhrmann zum Gespräch.


Euch hat es gleich richtig gut getroffen: Zum ersten Mal spielt die UNZUCHT in der Schweiz – und dann verschlägt es euch gleich ins wunderschöne Interlaken. Wie gefällt es euch hier?

Daniel: Es ist der Wahnsinn. Die Location ist toll, sie ist einfach nicht zu toppen. Es ist wahnsinnig schön hier.


Was ist für euch der markanteste Unterschied zu deutschen Festivals, wie ihr sie kennt?

Daniel: Die Relationen sind hier auf jeden Fall kleiner. Das Gelände ist übersichtlicher, es sind weniger Menschen hier…

Toby: Das ist eigentlich erstaunlich, wenn man sich das Lineup mit Greenday, In Flames oder Blink-182 so anschaut. Aber deswegen ist es auch ganz angenehm.


Das GREENFIELD FESTIVAL ist nicht eure einzige musikalische Auslandsreise in letzter Zeit…

Daniel: Genau, wir waren auf Tournee in Finnland und Russland. Besonders die Konzerte in Russland waren eine ganz besondere Erfahrung.

Toby: Die Menschen dort sind unglaublich herzlich und total dankbar. Sie haben sich riesig auf uns gefreut und teilweise ja sogar mehrere Jahre darauf gewartet, dass wir endlich in ihrem Heimatland spielen.

Daniel: Ich erinnere mich noch gut daran, dass der russische Fanclub vor unseren ersten Konzerten uns darum gebeten hat, ihnen die Setliste der Auftritte zu geben. Das machen wir ja normalerweise nicht. Als ich fragte, warum sie die Titel denn haben wollen, kam die Antwort: „Wir wollen die Texte auswendig lernen, damit wir mitsingen können!“ Das haben sie auch tatsächlich gemacht, das war überwältigend.

Toby: Aber auch Finnland war echt super. Wir waren zwar darauf geeicht, dass vermutlich weniger Menschen zu unserem Konzert kommen als hier in Deutschland, aber die Stimmung war grandios.


Apropos: Wenige Besucher… Immer mehr Bands klagen über Einbrüche, die Schwarze Szene sei mittlerweile übersättigt und mache es selbst gestandenen Bands schwieriger zu überleben. Was denkt ihr darüber?

Daniel: Wir haben das Glück, dass wir davon nicht viel mitbekommen haben. Wir sind eigentlich kontinuierlich gewachsen. Allerdings stimmt es schon: Derzeit releasen viele Bands gleichzeitig oder sind alle zur selben Zeit unterwegs.

Toby: Die „Übersättigung“ hängt allerdings auch damit zusammen, dass das Publikum mittlerweile ziemlich verwöhnt ist. Das geht dann schon so weit, dass Leute sich beschweren, wenn wir an einem bestimmten Tag in ihrer Stadt spielen, weil es ihnen auf irgendeine Art und Weise nicht in den Kram passt: Donnerstags, weil sie am nächsten Tag arbeiten müssen. Freitags, weil sie sich mit Freunden treffen wollen. Oder sonntags, weil das der letzte Tag des Wochenendes ist. Aber was sollen wir tun? Eine Online-Umfrage veranstalten, wann das Konzert stattfinden soll?


Kommen wir zu einer anderen Art der Fan-Bekenntnisse: Tattoos! Auf eurer Facebook-Seite veröffentlicht ihr Tätowierungen, bei denen sich jemand der UNZUCHT hat inspirieren lassen. Wie ist das für euch?

Daniel: Das ist für uns immer noch unfassbar, dass jemand unsere Band auf der Haut verewigt. Ich erinnere mich noch an das erste Tattoo, was ich gesehen habe – da hat sich jemand unseren originalen Schriftzug auf den Unterarm machen lassen. Das erschafft so ein Gefühl von Verantwortung, immerhin stehst du ja ein Stück weit für das, was er oder sie sein Leben lang mit sich herumträgt.


Was habt ihr denn schon alles an Bandtattoos gesehen?

Toby: Da lassen sich die Leute von allem Möglichen inspirieren – von unserem Schriftzug, wie erwähnt. Aber auch von Songtiteln, Zitaten aus unseren Liedern oder Teilen aus dem Artwork. Ein englischer Fan hat sich schon den Neuntöter auf den Schädel tätowieren lassen.

Daniel: Letzten Endes erzeugt aber jedes einzelne neue UNZUCHT-Tattoo, was ich zu Gesicht bekomme, echte Gänsehaut. Das ist schon ein besonderer Moment.


Das Artwork eurer aktuellen Platte ist aber auch wieder ein künstlerisches Meisterwerk. Wie ist es entstanden?

Toby: Das Bild stammt von Stefan Heilemann, der schon das Cover von „Venus Luzifer“ für uns erarbeitet hat. Er entwirft die Artworks auf der Basis von Fotografien.

Daniel: Auch die Venus war ja in ihrem Ursprung ein Model, welches in der Haltung und dem Kostüm fotografiert worden ist. Als wir in München gespielt haben, war sie an diesem Abend auch da. Ich hätte sie kaum erkannt.

Toby: Mit Stefan mussten wir bisher einfach immer ganz kurz besprechen, was ansteht. Was er dann am Ende abgeliefert hat, war einfach immer besser als das, was wir uns vorgestellt haben.

Daniel: Auch die Venus war einfach ein Wahnsinns-Cover. Da hat echt alles gestimmt: Das Motiv im Vordergrund, der Hintergrund… Das war ein Bild, bei dem ich tatsächlich gedacht habe: „Wow, das würde ich mir sogar ins Wohnzimmer hängen.


Nachdem ihr in diesem und dem letzten Jahr wieder so immens viel live unterwegs wart und auch noch seid… Juckt es da nicht schon in den Fingern, die Bühne wieder gegen das Studio auszutauschen?

Daniel: Auf jeden Fall. Bisher haben wir ja auch in beinahe jedem Jahr ein neues Album veröffentlicht. Und jedes Mal wieder einen draufgesetzt.

Toby: Außerdem steht unsere erste Konzert-DVD ins Haus, das Projekt wollen wir jetzt langsam einmal angehen.


Es bleibt also spannend in der Kommandozentrale der UNZUCHT. In diesem Jahr sind die Nordlichter noch auf dem Rockharz (Ballenstedt), dem „Volle Kraft Voraus“-Festival (Neu-Ulm) und dem M’Era Luna (Hildesheim) zu sehen.
Im Oktober geht es schließlich mit EISBRECHER auf „Sturmfahrt“.

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