MPS Wheil am Rhein 2 – MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN – SALTATIO MORTIS – FEUERSCHWANZ

Die mittelalterliche Zeit ruft. Am Vorabend zuerst beschäftigt am Albani-Fest in Winterthur, ging es mit knapp zwei Stunden Schlaf an das MPS Weil am Rhein 2 im Drei-Ländergarten.
Das war mein erstes MPS. Als ich dort ankam, staunte ich nicht schlecht. Das Gelände war recht gross. Sehr viele Marktstände, wo man Sachen kaufen konnte wie Trinkhörner, mittelalterliche Waffen und vieles mehr. Natürlich durften auch die Merch Stände nicht fehlen.
Auf dem ganzen Gelände gab es drei Bühnen. Da hatte man die Festival Bühne, MPS Bühne und die Folk Bühne. 
Wie es an Mittelalterfesten, gang und gäbe ist, waren überall traditionell gewandete Menschen zu sehen. Da gab Ritter, Piraten und ganz viele andere Kostümierte, Gleichgesinnte, Volltrunkene und Feierwütige, eine bunte Meute auf dem Festival.

Bevor es für mich mit dem Konzertprogramm losging, war ich für Flüssignahrung besorgt. Anstatt des üblichen Bieres kam heute Met zur Anwendung. Ausgestattet mit genügend Trank konnten die Festivitäten losgehen.


Celtica Pipes Rock



MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN 1, 2 & 3:


Warum steht da 1, 2 & 3?
Ganz einfach. Da die Piraten aus dem karibischen Osnabrück dreimal auftraten und ich bei allen drei Konzerten anwesend war. Nein langweilig wurde es mir nicht. Ganz im Gegenteil. Bei sämtlichen drei Konzerten wurden die Lachmuskeln sehr heftig strapaziert.
Die symphatischen drei Piraten Mr. Hurley, Buckteeth Bannock und der einäugige Morgan verbreiten von Beginn weg viel Freude und Gelächter. Dies nicht nur wegen der irrwitzigen Songtexte, sondern auch wegen ihrer Mimik und Gesten auf der Bühne.
Da kam es zum Beispiel als Buckteeth Bannock zur Tröte griff, zu frenetischen Zugaberufen, was Mr. Hurley wohl nicht zu gefallen schien.
Er wollte weiter singen, da kamen wieder die Zugaberufe und Buckteeth Bannock trötete weiter und macht daraus ein Solo. Das scherzhaft genervte Gesicht von Mr. Hurley sagte mehr als 1000 Worte. Jetzt sah er wieder ein Lichtlein am Horizont um weiter zu singen und wieder kamen Zugaberufe. Er unterbrach kurz und sagte „Schnauze jetzt!“.
Bei den drei Konzerten hatten die Jungs fast gänzlich drei unterschiedliche Setlists. Dies ist beeindruckend. Da wird den Zuschauern was geboten. Am 25. August erscheint ihr neues Album „Tortuga“ und sie gaben im Ganzen, wenn ich richtig gezählt habe, fünf neue Songs zum Besten.
Ich kann mit gutem Gewissen behaupten, dass die neuen Songs, was ich bisher zu hören bekam, echt gut waren.
 
Natürlich warteten die Fans auf die alt bewährteten Songs. Immer wieder waren aus den Fanreihen „Blau wie das Meer“-Rufe zu hören.
Mr. Hurley meinte dann, dass sie diesen Song schon noch spielen, man brauche keine Angst haben. Die Piraten liessen uns warten. Trotz des Wartens auf den Übersong „Blau wie das Meer“ freute ich mich persönlich auf ganz andere Songs.
Mr. Hurley erklärte dann, dass wir kurz warten müsse, da ein kleiner Bühnenumbau stattfinde. Da dachte man schon, was kommt den jetzt?
Der Bühnenumbau sah so aus: sämtliche drei Piraten bekamen einen Chinesenhut aufgesetzt. Es war klar was kommt!!! Es handelte sich um „All“.
Das typische klischeehafte Chinesisch-Deutsch. Das heisst, dass jedes ‚R‘ in ein ‚L‘ verwandelt wird. Deshalb entstanden auch irrwitzige Wörter, wie z.b. „Läudige Latte“, oder „Wilkommen beim Weil am Lhein“.
Mein Kollege und ich kringelten uns vor Lachen, bis wir Bauchschmerzen hatten.
Na gut, das ganze Konzert oder eben die Konzerte, waren immer saukomisch.
Wie auch beim Song „Plankentanz“, als dann das Helferlein Weibchen Pegleg Peggy zur Hilfe kam. Dies war ein Plankentanz. Beim Refrain kam sie nach vorne bei der Bühne und zeigte uns wie das gehen soll und bei der Drehung sollten die Frauen ihr Achterdeck zum wackeln bringen. Wenn die Frauen dies nicht wollten, könnten sie auch ihren Bug schütteln, aber so, dass die Bandmitglieder dies genau sehen können.
In der ersten Konzertpause der Herren standen sie beim Merchstand herum.
Da bekam Mr. Hurley ein Geschenk von Simon Dörrig. Das Geschenk war eine Hakenhand, umfunktioniert zum Bierhalter. Daher bedankte sich Mr. Hurley beim zweiten Konzert noch offiziell bei ihm.
Jetzt kommen wir hier langsam zum Schluss. Die Fans skandierten immer noch Rufe „Blau wie das Meer“. Warten mussten wir daher immer noch. Es kam der letzte angekündigte Song. Ein Irish Medley, aber ein ganz Spezielles. Das beinhaltete „Irish Rover“, „Rings of Fire“ und viele mehr. Dies war noch nicht genug und plötzlich fing die Melodie von „Blau wie das Meer“ an. Die Fans jubelten, tobten und sangen feucht fröhlich mit.
Einen Schattenpunkt gab es leider.
Ein Zuschauer hat wohl zuviel getrunken und verursachte daher in der vordersten Reihe Tumulte. Drei Personen schafften diesen Kerl weg, leider nur für kurze Zeit. Er kam wieder zurück und belästigte weiter andere Leute. Es kam daher fast zu einer Eskalation.
Mr. Hurley bemerkte dies natürlich und sagte dann, dass sie sowas nicht sehen wollen.
Sie wären da, um zu feiern. Auch wenn in ihren Texten viel von Rauferei und Saufen gesungen wird, ist die Kostümierung doch eher albern. Also lasst den Quatsch und feiert fröhlich mit.

SALTATIO MORTIS:


Durch Geschichten, von routinierten MPS Gängern, wurde mir klar, dass dies keine übliche SALTATIO MORTIS Show sein würde. Es ist ein Nachmittagskonzert. Das heisst keine Rockshow. Dies macht mir nichts aus, da die Spielleute von SALTATIO MORTIS auch so zu den grandiosesten Live Bands gehören die ich kenne. Trotz meinen 8 Live Erlebnissen, war das ganze von Anfang an sehr überraschend für mich. Praktisch keinen der gespielten Songs, hab ich je Live erlebt. 
Zu anfangs dachte ich, im Vergleich zu MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN, gibt es weniger zu lachen. Total falsch gedacht!!!
Ich hab die Rede Gewandheit von Lasterbalk vergessen.
Er war ohnehin, der, der eigentlich immer was zu erzählen hatte.
Na gut, beginnen wir mal.
Alea war mit dem Dudelsack bewaffnet und es fing ein Instrumentaler Song an der Zeit gab, jeden einzelnen vorzustellen, bevor es mit „In Taverna“ begann. Allerdings war es wieder gewohnt. Kaum machten wir eine Minute lang nichts, kam Alea und forderte uns zum klatschen auf. Dies war jedesmal so. Die Konzerte von SALTATIO MORTIS waren ohnehin immer anstrengend.
Als Lasterbalk erneut das Wort ergriff, wollte er wissen, wer alles am Schlamm am Rhein 1 dabei war. Einige schreiten daraufhin. Als er wissen wollte, ob jemand schon Schwimmhäute hat, zeigte ein Fan den Spook gruss. Weil Lasterbalk mitleid mit ihm hatte, meinte er nur, er solle doch nachher zum grossen Getränkestand gehen und einen Gin holen. Die Rechnung gehe dann zu lasten der Band.
Nachdem erklärte er, dass er vor kurzem eine kleine Düsseldorfer Band namens DIE TOTEN HOSEN sah und der Sänger Campino beklagte, dass er Backstage noch nie eine Frau vernaschen konnte. Dieses Problem hat allerdings Falk nicht und dann unterbrach Lasterbalk, da es ja ein Nachmittagsprogramm ist. Da ergriff Falk das Mikrofon und sang den Song „Choix de Dames“.
 
Auch etwas, was ich Live nie zu hören bekam.
Was auch sehr überraschend kam, es schien so als Luzi das L im vergleich zu anderen Konzerten sehr nüchtern rüberkam. Seine stärke ist, dass er an keiner Met Flasche vorbei laufen kann, ohne sie leer zu saufen. Das fiel auf, dass er mit dem Dudelsack in die Knie gehen kann und alleine wieder aufstehen konnte.
Die Spielleute waren in überragender Stimmung. Dies macht auch spass.
Wie gewohnt übertreffen SALTATIO MORTIS gerne ihre vergangenen Konzerte, die ich bisher besuchte. Das war auch dieses mal der Fall. Ganz viele Songs die ich Live noch nie zu hören bekam. Ausser der letzte Song ist wohl Standard für einen SALTATIO MORTIS Abschluss. Es wurde die üblichen ’nananana‘ rufe eingestimmt. Da war klar!!!
Es handelt sich um „Eulenspiegel“. Endlich kann och meine Textsicherheit unter Beweis stellen.
Die Herren SALTATIO MORTIS traten dann noch am Abend auf, aber da es eine Zeitüberschneidung gibt mit FEUERSCHWANZ, entschied ich mich für FEUERSCHWANZ. Die Entscheidung viel mir alles andere wie einfach, da ich beide Bands Liebe. Aber mit FEUERSCHWANZ muss ich aufholen, dass sie mit SALTATIO MORTIS auf Augenhöhe sind.

FEUERSCHWANZ:


Sehr angeschlagen vom vorherigen Konzerteund den vergangenen Festivals, schleppte ich meinen müden Körper Richtung Folkstage. Es kam ein weiteres Highlight auf mich zu, die Herren von FEUERSCHWANZ. Zuerst bemerkte man, dass die Bühne nicht abgesperrt war. Das heisst, freier Zugang zur Bühne. Ich war gespannt ,wieviele kommen werden, da sie mit SALTATIO MORTIS eine Zeitüberschneidung hatten. Umso erstaunter war ich, dass es bis nach hinten voll war. Pünktlich um 22:30 Uhr begann das Spektakel auf der Folkbühne. Das Nachtkonzert wurde ein übliches Rockkonzert. Sehr schön.

Wie die letzten Male begannen sie mit dem Titelsong der letzten Scheibe „Sex Is Muss“.
Die FEUERSCHWANZ Mieze hob jedesmal beim Refrain ein Schild in die Höhe mit dem Text „Sex Is Muss“ in leuchtender Schrift. Wohl um das Publikum daran zu erinnern, wie der Text geht. War allerdings nicht nötig. Das Publikum präsentierte sich recht textsicher. Es wurde gefeiert, gegrölt und getanzt. Was will man mehr.
Das Konzert lief noch nicht lange und schon muss ich was extrem Negatives berichten. Das die Herrschaften gerne mit dem Publikum interagieren, ist längst bekannt. Das war heute nicht anders. Johanna von der Vögelweide oder die Mieze, ich bin mir nicht mehr zu 100% sicher, gab jemandem die Hand. Nur dieses männliche Fangirl wollte nicht mehr loslassen. Prinz Hodenherz kam zur Hilfe und meinte, gibt man jemandem die Hanf wollen sie den ganzen Arm. Das war noch relativ harmlos.
Hauptmann Feuerschwanz war das nächste Opfer. Er machte den Fehler und gab dem vorhin erwähnten männlichen Fangirl die Hand und dieser Vollidiot riss ihn zu Boden.
Er reagierte zwar sehr gelassen, aber zeigte ihm den Vogel. Diese Aktion war eine riesige Schweinerei.
Null Respekt vor der Band. Jedesmal wollte er ihn betatschen. Er kam mir vor wie ein pubertierender Teenager an einem JUSTIN BIEBER Konzert.
Auch die aufreizend gekleidete Mieze musste sich in acht nehmen, da er auch sie anfassen wollte. Null Respekt vor der Band. Dies machte mich sehr wütend.
 
Jetzt allerdings fertig mit schlechten Geschehnissen. Die Setlist bot sehr viele Gänsehautmomente. Vor allem der Song „Nachtlied“, eigentlich ein Track, der mir auf CD ganz und gar nicht gefällt, aber live eine ganz andere Wirkung auf mich hatte.
Prinz Hodenherz nahm die Akkustikgitarre zur Hand und setzte sich mit Frau Mieze auf das Podest des Drumsets.
Die Mieze hielt das Mikrofon in der Hand, sang aber nicht. Sie hielt immer wieder das Mikrofon vor den Mund von Prinz Hodenherz, damit er singen und spielen konnte. Ich hatte extreme Gänsehaut.
Die Herrschaften liessen sich echt etwas einfallen. Ein riesiger Circle Pit wurde gefordert und diesen kriegten sie auch.
Mit „Ketzerei“ wurden zuerst drei Stangen aufgebaut, an denen je eine Handschelle hing. Die Mieze streifte sich ein weisses Kleid über und steckte ihre Hände rein. Mit dem Licht und den Rauchsäulen sah das effektiv sehr eindrücklich aus.
Das war allerdings auch bisher der beste Auftritt, den ich je sah und ich habe sieben Vergleiche. Der Auftritt ging allerdings unermüdlich weiter.
Einer von den Zuschauern bekam eine Narrenkappe und ihm wurde aufgetragen, eine Polonaise anzuführen. Da so viele Menschen vor Ort waren, gestalte sich das gar nicht einfach.
Natürlich durfte auch den Song über Basser Taugenix nicht fehlen. Da er eigentlich nichts kann, dachten die Herrschaften, dass sie ein Lied über ihn schreiben müssen.
Da kam er zu einem Bass-Solo und die Meute jubelte. Johanna von der Vögelweide, Hauptmann Feuerschwanz oder Prinz Hodenherz winkten ab. Wir sollen aufhören zu jubeln, sollen ihm nicht das Gefühl geben, dass er etwas könne. Die Menge wollte eine Zugabe und  Taugenix hörte nicht mehr auf.
Es ist immer witzig FEUERSCHWANZ zuzusehen. Die Fans sind auch für jeden scheiss zu haben.
Es wurde gerudert und man nahm sich in die Arme und schaukelte hin und her, um das Boot zu simulieren. Immer schneller mussten wir werden, bis wir hüpften.
Vieles vom Gezeigten war üblich wie z.b. bei „Metnotstand im Märchenland“, durfte der riesige Hozhammer nicht fehlen, den er jedesmal HAMMERFALL machte.
Eines war allerdings neu. „Krieger des Mets“, war Hauptmann Feuerschwanz mit einer wie soll ich sagen, so etwas Ähnlichem wie einer Schulterpanzerung ausgestattet und dazu einem riesengrossen Trinkhorn.
Leider war’s das schon wieder.

Alle die den Auftritt verpasst haben, haben die Gelegenheit FEUERSCHWANZ an den Eisheiligen Nächten im Z7 Pratteln zu erleben. Ich kann euch dies nur empfehlen. Ich bin sicher dabei.


SAOR PATROL



FAZIT


In erster Linie bedanke ich mich recht herzlich beim Veranstalter des MPS. Es machte mir sehr viel Freude, daran teilzunehmen. Auch bei der Soundqualität fand ich keine Mängel.
Viele Menschen waren vor Ort und machten dieses Event einzigartig. Erstaunlich, dass ich es erst zum ersten mal dorthin schaffte.
Trotz vieler positiver Erlebnisse, gibt es doch etwas, was ich kritisieren muss.
Trotz im gross und ganzen friedlichem Anlass braucht es Sicherheitsleute vor der Bühne. Auf dem Gelände war dies nicht nötig aber vor der Bühne braucht es die Herren. Oben hab ich schon erwähnt was bei MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN wie bei FEUERSCHWANZ passierte. Mit Sicherheitsleuten vor der Bühne wäre dies sicherlich eher weniger passiert.
Ansonsten gibt es nichts zu bemängeln. Ein durchaus gelungenes Festival für alle Mittelalterverrückten, auch wenn früher nicht alles besser war. Nächstes Jahr werde ich sicher wieder dabei sein.

Danke an alle Beteiligte!


FIDDLER’S GREEN


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