M’ERA LUNA 2018 – Sonntag

Der letzte Tag des M’ERA LUNA Festivals startete mit einem wahren Knalleffekt und setzte sich in einem Feuerwerk aus Showeffekten und musikalischen Highlights bis in die späten Abendstunden fort.

Text: Leo Dowidat
Bilder: Markus Felix (Dessen viele, gute Bilder…)


Ein fulminanter Abschluss des Klassentreffens der Schwarzen Szene, wie manch einer die Veranstaltung im Norden Deutschlands zärtlich nennt.

Einen Wecker hätte man sich eigentlich nicht stellen müssen: Um punkt 11 Uhr erbebte das Festivalgelände unter einer Detonation. SCHATTENMANN gaben ihr Debüt auf dem M’ERA LUNA und hatten weder Kosten noch Mühen gescheut, um die Besucher mit einer Walze an Pyro- und Knalleffekten zu beeindrucken. CO2-Kanonen, Flamejets, eine funkensprühende Kettensäge und zum großen Finale des Brechers „Amok“ eine Sprengstoffweste, welche detonierte. SCHATTENMANN hängten mit ihrem Auftritt die Latte für sämtliche nachfolgenden Bands in schier unerreichbare Höhen.

Da hatten HEIMATAERDE großes Glück, dass die Tempelritter einen derart eigenen Stil verfolgen, dass faire Vergleiche gar nicht möglich waren: Mit ihrem stampfenden EBM, von satten Gitarrenriffs durchzogen, forderten sie das M’ERA LUNA zum „Tanz!“ auf – so der Titel des neuen Songs, den HEIMATAERDE in Hildesheim vorstellten. Flankiert wurde die Musik von der schaurig-schönen, blutigen Live-Show der untoten Templer, ein visuelles Erlebnis zur frühen Stunde.

Danach wurde es mit DIE KAMMER akustisch, jedoch nicht ruhiger: Dazu waren die Herrschaften mit ihrem virtuosen, unvergleichbaren Programm viel zu dynamisch und lieferten einen Auftritt, der vor Lebensfreude und Spirit strotzte.

BANNKREIS dagegen hatte im Anschluss erst einmal mit Problemen zu kämpfen: Einen ganzen Song lang war die Übertragung der Tonsignale gestört. Das sorgte für einen kuriosen Moment: Denn die Band hörte sich immer noch selbst und spielte eben weiter – von außen betrachtet erlebten die Besucher hier den ersten Stummauftritt des M’ERA LUNA. Nachdem alle Schwierigkeiten behoben waren, überzeugten BANNKREIS jedoch auch bei normaler Lautstärke. Besonders das „Sweet Dreams“-Cover wurde vom Publikum frenetisch gefeiert, eine ungemein schöne Variation mit Drehleier und Johannas lieblicher, klarer Stimme.

LACRIMAS PROFUNDERE sorgte daraufhin für einige Tränen bei der Autorin. Denn eine Ära ging zu Ende. Mit dem Auftritt auf dem M’ERA LUNA verabschiedete sich Sänger Rob Vitacca von den Münchenern – und machte Platz für seinen Nachfolger Julian Larré. Ein Moment, der für Betretenheit sorgte, schließlich war Rob Vitacca über Jahre hinweg DIE Stimme der Dark Rocker. Dass die Zukunft von LACRIMAS PROFUNDERE jedoch auch weiterhin gesichert ist, bewies Julian gleich vor Ort und Stelle – man darf auf die neuen Werke und auch die Tour gespannt sein.

Nach L’ÂME IMMORTELLE wehte ein Hauch Musikgeschichte über das M’ERA LUNA. Denn PETER HEPPNER verwöhnte das Publikum nicht nur mit seiner entspannt-lässigen Wohlfühlmusik, sondern bat einen ganz besonderen Gast auf die Bühne. Gemeinsam mit dem „Goldenen Reiter“ JOACHIM WITT sang er „Die Flut“. Zwanzig Jahre ist es her, dass die beiden Szene-Urgesteine dieses Stück gemeinsam aufgenommen hatten, lange warteten die Fans vergebens auf diesen Moment. Doch damit war der Aufregung nicht genüge getan. Denn WITT und HEPPNER hatten noch ein zweites Stück für die Zuschauer dabei: „Was bleibt?“ ist der neue Meisterstreich der beiden Sänger und feierte auf dem M’ERA LUNA vor einem glücklichen, sprachlosen Publikum seine Premiere.

Dass die ersten Besucher jetzt eine Gänsehaut bekamen, lag jedoch nicht nur an diesem besonderen Moment. Tatsächlich war es mit untergehender Sonne auf dem Flugplatz ordentlich abgekühlt. Doch SALTATIO MORTIS schufen Abhilfe. Die Mittelalterrocker zelebrierten auf ihrem Slot eine wahre Feuerschlacht. Flamejets, Feuerschalen und kleine Feuerbälle – die Band musste sich jedoch wahrlich nicht hinter ihrer Show verstecken. Neben Klassikern wie „Früher war alles besser“ oder dem „Prometheus“ fanden vor allem die neue Single „Dorn im Ohr“ oder „Große Träume“ großen Anklang beim Publikum. Mit FRONT 242 ging das Festival schließlich auf die Zielgerade zu, ehe sich der Kapitän selbst die Ehre gab: Alex Wesselsky hatte sie alle auf seiner Seite, kaum dass der Frontmann von EISBRECHER mit „Sturmfahrt“ die Bühne betreten hatte.


Und während EISBRECHER das M’ERA LUNA 2018 noch mit einer eindrucksvollen Liveperformance, welche voll auf das aktuelle Album der NDH-Größe, „Sturmfahrt“ ausgerichtet war, zu Grabe trugen, verbreitete sich die Kunde schon wie ein Lauffeuer über das Gelände. Auch im kommenden Jahr wartet das M’ERA LUNA mit einer Vielzahl an erstklassigen Künstlern auf.

Bereits bestätigt sind:
ASP

VNV NATION
WITHIN TEMPTATION

SUBWAY TO SALLY
MONO INC

COMBICHRIST

OOMPH!
VERSENGOLD
DIARY OF DREAMS
ZEROMANCER
SUICIDE COMMANDO
[:SITD:]

ASSEMBLAGE 23

STAHLMANN
FUNKER VOGT
NEUROTICFISH

MELOTRON

[X]-RX

HELDMASCHINE
SÜNDENKLANG
SONO