NORD, SÜD, WEST – OST von HÄMATOM im Interview – heute Abend im Gaskessel Bern

Gerade noch rechtzeitig sind die Antworten zu unseren Fragen von OST, dem Gitarristen der Deutschmetaller HÄMATOM, bei uns eingetroffen. Heute Abend spielen die Jungs in Bern.

Da HÄMATOM leider ihre Show in Zürich canceln mussten, wurde nichts aus dem geplanten Gespräch im KOMPLEX. Jetzt haben wir das mit einem Mailer nachgeholt.

MN: Hallo OST. Danke, dass du dir Zeit nimmst um einige Fragen zu beantworten. Zuerst einmal hoffe ich, dass die Gesundheit wieder zurück in die Band gefunden hat – ihr musstet euer Zürcher Konzert canceln. Was ist geschehen?

Nord hatte sich leider einen ganz fiesen Virus eingefangen und musste für ein paar Tage ins Krankenhaus. Zwischenzeitlich sah es auch tatsächlich gar nicht so gut aus, dass er rechtzeitig zur eigenen Tour fit wird. Aber am Ende lief alles doch nach Plan.

MN: Dann zu dir. Kannst du in drei Stichworten beschreiben, was dich als Person ausmacht, dich charakterisiert?

Ist immer nicht leicht über sich selber zu sprechen, das sollten grundsätzlich andere übernehmen. Aber wenn Du Stichworte willst, dann würde ich mich so beschreiben:

Ehrgeizig – Politisch – Ironisch

MN: Hattest du eigentlich eine schwere Jugend? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

Das ist ja mal schön formuliert;-) Hattest Du EIGENTLICH eine schwere Jugend.

Nein. Ich hatte die beste Jugend und Kindheitsphase, die mir vorstellen könnte. Ich komme ja ursprünglich aus Polen und bin erst mit 10 Jahren mit meiner Familie nach Deutschland gezogen. Auch wenn wir oft nicht viel hatten, habe ich nie richtig etwas vermisst und ich denke, dass meine Jugend vor allem eins war: Spannend!

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Gitarrist OST von HÄMATOM Fotocredit Meinl-Distribution

MN: Bandnamen sind eines meiner Lieblingsthemen – wie zum Teufel kommt man auf HÄMATOM?

Als wir die Band gründeten, war uns klar, dass wir Metal mit deutschen Texten machen möchten. Was zur damaligen Zeit auch gar nicht so verbreitet war. Metal Musik musste für viele auf englisch sein. Also suchten wir einen Namen, der zum einen die Härte der Musik die wir machen wollten ausdrückt, und zum anderen eigenständig ist. Als beim Brainstormen schliesslich HÄMATOM fiel, war allen sofort klar: Das ist es!

MN: Euer letztes Album heisst ganz bescheiden „Wir Sind Gott“. Glaubst du an Gott? Wenn ja, warum? Wenn nein, an wen oder was sonst?

Understatement war schon immer unsere Stärke!

Die Frage kann ich ganz klar mit Ja beantworten. Ich glaube an Gott, jedoch ist meine Vorstellung von dieser übersinnlichen Kraft, wahrscheinlich eine deutlich andere als von vielen anderen und hat GAR nichts mit den erfundenen Märchengeschichten der Weltreligionen zu tun. Die meiner Meinung nach nur erschaffen wurden um die Menschheit zu kontrollieren und ihr eine Hoffnung für die Nachwelt zu geben, die sie seit jeher so verzweifelt sucht.

Ich persönlich glaube schon, dass es eine Art göttlicher Kraft oder Energie gibt, die der Ursprung allen Lebens ist. Wenn es aber so sein sollte, dann ist dieser „Gott“ so unvorstellbar, dass keiner von uns einen blassen Schimmer davon hat, wie und was er/es tatsächlich ist.

Hämatom

MN: Was ist bei letzten Album anders als bei den vorherigen – mal vom Titel, der Dauer, den Songs und Texten und der Veröffentlichung abgesehen…

Ich glaube „WIR SIND GOTT“ ist das musikalischste und ausgereifteste Album das wir je gemacht haben. Wir haben uns sehr lange mit den Songs, den Melodien und vor allem mit den Texten beschäftigt. Haben versucht bei jedem Release immer etwas Neues zu lernen und uns weiter zu entwickeln. Ich glaube dieses Album ist das Ergebnis aus gutem Handwerk und unserer musikalischen und geistigen Reife. Deshalb glaube ich nicht, dass wir vor 10 Jahren in der Lage wären, solche Songs zu schreiben. Ich jedenfalls bin verdammt glücklich mit diesem Werk.

MN: Sowohl Album als auch Tour sind dem Vernehmen nach sehr erfolgreich. Was macht euren Erfolg aus? Und wie wichtig ist euch Erfolg?

Du, ganz oben steht immer die Weltherrschaft! Ist doch klar.

Natürlich freut uns das tierisch, dass dieses Jahr so erfolgreich für uns ist. Im Prinzip machen wir den ganzen Tag nichts anders als diese Band nach vorne zu peitschen und wenn es nach 11 verdammt harten Jahren endlich mal richtig zuckt, bist Du einfach glücklich darüber.

MN: Habt ihr als Truppe eigentlich sowas wie eine zentrale Message, Idee oder Philosophie, die euch umtreibt?

HÄMATOM ist einfach eine Band, die der Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Sehr sozialkritisch ist und sowohl sich, als auch ihr Umfeld gut reflektiert. Und das immer ohne den erhobenen Zeigefinger. Wir können und wollen nur Gedanken bzw. Diskussionen mit unseren Texten anstossen. Was der jeweilige Zuhörer daraus macht, ist ihm überlassen. Wenn Du das als Message sehen willst, dann haben wir eine.

MN: Zu eurem visuellen Erkennungsmerkmal, den Masken. Warum verschleiert ihr eure wirkliche Identität? Habt ihr etwas zu verbergen?

Wir waren von Anfang an eine ganzheitliche Band. Dazu gehört der Name, dazu gehören die Kostüme, die Bühnenshow, die Pseudonyme und dazu gehören auch die Masken. Uns war es schon immer wichtig, dass die Musik und der Text im Vordergrund stehen und deshalb haben wir uns ziemlich früh dafür entschieden auch die Masken ins Bandkonzept einzubauen. Bei HÄMATOM steht nun mal der martialisch aussehende Ost mit einer Maske auf der Bühne und nicht Klaus, Holger oder wie auch immer ich heissen mag.

MN: Und nicht zu vergessen, die extrem kreative Namensgebung – wie seid ihr auf die gekommen und wer hat weshalb welche Himmelsrichtung bekommen?

Tatsächlich finde ich unsere Pseudonyme sehr gelungen. Weil sie auf eine unfassbare schlichte Art, perfekt den Charakter eines jeden Musikers beschreiben, aber im Endeffekt nur als Gemeinschaft eine Daseinsberechtigung haben.

WEST ist schon immer der Typ, der die dicksten Autos fährt und die fettesten Ringe trägt. SUED ist sehr harmoniebedürftig und gesellig. NORD der unterkühlte, introvertierte Sänger und ich komme bekanntlich aus Polen und trage somit die östlichen Charaktereigenschaften mit mir herum.

MN: Wird oft versucht herauszufinden, wie ihr wirklich ausseht und heisst und so?

An unsere Namen kommst Du eigentlich ziemlich schnell, wenn Du Dir etwas Mühe gibst. Mit den Gesichtern ist das schon etwas sportlicher aber auch nicht unmöglich. Es gibt schon immer wieder Leute, die uns unbedingt ohne Masken sehen möchten, doch weil wir die Enttäuschung in ihren Gesichtern nicht ertragen können, versuchen wir das zu verhindern. Zu ihrem Selbstschutz so zu sagen.

MN:  Was fällt dir – möglichst spontan – zu folgenden Stichworten ein?

  • Deutschland – Es ist ein Privileg ist so einem wohlhabenden und friedlichen Land zu leben.
  • Schweiz – Noch friedlicher und wohlhabender
  • Freundschaft – Nach Familie, das wichtigste Gut
  • Anarchie – funktioniert in der Praxis leider nicht
  • „Wir schaffen das!“ – Natürlich schaffen wir das. Deutschland und Europa haben schon ganz andere Herausforderungen geschafft.

MN: Ihr spielt am 10. November nochmals in der Schweiz, nämlich im Berner Gaskessel. Jetzt kannst du noch einige intelligenten, kreativen und witzigen Worte an die Schweizer Fans richten…

Ausser der nervigen Merchandising-Zollgeschichte an der Grenze spielen wir wirklich sehr, sehr gerne in der Schweiz und freuen uns deshalb auf Bern, weil wir dort unsere Premiere feiern. Habe mir auch sagen lassen, dass der Gaskessel ein schöner Club sein soll, was ein weiterer Grund ist, sich auf die Show zu freuen.

MN: …nochmals, herzlichen Dank, dass du diese Fragen beantwortet – und damit Humor bewiesen hast. Wir von Metalnews Switzerland wünschen euch ein gutes Konzert in Bern und weiterhin viel Erfolg als musikalische Maskenmänner!

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