SUMMERBREEZE 2018 – Mittwoch

Die Fahne von Rocknews.ch wurde selbstverständlich gleich ab Festivalbeginn hochgehalten.

Text und Bilder: Leo Dowidat

Denn auch, wenn der Chef persönlich erst am Donnerstag seinen Weg zum SUMMERBREEZE fand, bewährte ich mich am Mittwoch im Alleingang – und gab mir am ersten Tag der Veranstaltung die volle Dröhnung tiefschwarzes Schwermetall.

Und während ich mit meinen Begleitern und einem Cider erst einmal auf den Festivalbeginn anstosse und dann mit beiden Kameras bewaffnet mich auf den Weg zum Festivalgelände mache, weht der Wind noch die letzten Klänge von THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA herüber. Für mich beginnt der Saisonabschluss in Dinkelsbühl mit einem ganz anderen Kontrastprogramm: DEATHRITE zerrüttelen bei ihrem ersten Auftritt auf dem SUMMERBREEZE 2018 die Camel Stage mit verrohten Growls und einer dröhnenden Mischung aus Gitarrengeschreddere und Schlagzeuggeballer. Selbst als Genre-Fan härterer Gangarten kann ich der Death Metal Kombo nur wenig abgewinnen, zu unkoordiniert wirkt die Band auf der Bühne – sowohl musikalisch als auch in der Bühnenpräsenz. Vielleicht fehlt mir allerdings auch nur der richtige Blickwinkel. Dem Publikum vor der Camel Stage scheint DEATHRITE mehr als zu taugen, der Platz vor der Bühne verwandelt sich vor dem Auftritt in einen immerwährenden Moshpit.

Für den holprigen Start werde ich an Ort und Stelle jedoch wenige Zeit später mit AUDN mehr als entschädigt: Tragender, bedeutungsschwerer Black Metal aus Island, der mit schneidenden Riffattacken und Blastbeats zwar für ordentlich Zunder sorgt, zeitgleich mir jedoch auch die Gänsehaut über die Arme jagt. Denn die Melodiebögen, welche die Nordlichter über ihre ausschweifenden Songs spannen, können sich mit ähnlich gearteten Band aus der Heimat, wie etwa SÓLSTÁFIR messen. Von den schwarzen Jackets bis hin zu den Ansagen, welche Sänger Hjalti Sveinsson komplett in Isländisch hält, gibt AUDN an diesem Tag ein rundum stimmiges Bild ab und hinterlässt zumindest bei mir bleibenden Eindruck. So darf und muss Black Metal klingen – in meinen Augen und Ohren sind die Isländer der Tagessieger auf der kleinen Bühne und schaffen in den kommenden Jahren hoffentlich den Sprung auf die grösseren Spielstätten. Die Daumen sind zumindest gedrückt!

Den positiven Überraschungen folgen kurze Zeit später alte Bekannte und der Act, auf den ich mich am Mittwoch am meisten freue: KATAKLYSM tritt auf der T-Stage aufs Gaspedal. Und wer Maurizio Iacono kennt, der weiss: Wenn die Death Metaller das Festival aufmischen, dann sind sie nicht alleine. So fordert der Sänger das Publikum erst einmal zum „Security-Stress-Test“ auf – die Grabenschlampen rotieren kurze Zeit darauf, um der zahllosen Crowdsurfer Herr zu werden. KATAKLYSM spornt das jedoch nur weiter zu Höchstleistungen an: Die Instrumente locker auf Kniehöhe hängend, zaubern die Kanadier ein virtuoses Gitarrensolo nach dem anderen dahin, headbangen, was das Zeug hält und schaffen mit Titeln wie ‚The World Is A Dying Insect‘ ein trotziges Wir-Gefühl, dem sich niemand vor der T-Stage so wirklich entziehen kann.